Schließung der Notfallpraxis: Senioren wollen protestieren

Gladbeck, 03.03.2010
Katrin Walger-Scholle

Sie haben es schon einmal getan. Als die Deutsche Bahn mit dem barrierefreien Umbau vom Bahnhof-West so gar nicht zu Potte kam, da sind die Senioren nach Düsseldorf gefahren und haben demonstriert. Lautstark, und äußerst wirkungsvoll.

Jetzt gibt sich Rolf Kauls vom Seniorenbeirat wieder kämpferisch: Es geht um die von der kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe beschlossene Schließung der Notfallpraxis auf dem Gelände des Krankenhauses (die WAZ berichtete bereits). „Nicht mit uns", betonte Rolf Kauls im Ausschuss für Soziales, Senioren und Gesundheit, in dem die KV-Pläne bei allen Fraktionen auf heftigen Protest gestoßen sind.

Ein, zwei Busse, hofft Kauls, werde der Beirat auf jeden Fall mit Demonstranten füllen können. Obwohl die Zeit drängt. Schon am 20. März tagt die Ärztekammer in Münster, wird dann wohl die Reform-Pläne der KV abnicken. An diesem Tag wollen die Gladbecker Senioren vor dem Versammlungsort ihrem Unmut Luft machen.

Unmut, ja Verärgerung über die geplante Schließung der Notfallpraxis herrschte auch im Sozialausschuss. „Der Problembereich bei dieser Reform ist ganz eindeutig der Kreis Recklinghausen", betonte Ärztesprecher Dr. Ulrich Heil, der auf Einladung des Ausschusses die Situation schilderte. Neben Gladbeck sollen nämlich wohl auch noch die Notfallpraxen in Herten und Castrop geschlossen werden. Laut Heil machen diese Pläne überhaupt keinen Sinn. Zumal es das eigentliche Ziel der Reform sei, die medizinische Notversorgung im ländlichen Ostwestfalen-Lippe trotz des dort herrschenden Ärztemangels aufrecht zu erhalten. „Uns Medizinern in Gladbeck wurde immer versichert, die örtlichen Strukturen hier seien nicht betroffen", so Dr. Heil. Dass Gladbeck nun doch auf der Streichliste stehe, ist nach Ansicht des Ärztesprechers auf die Untätigkeit der KV-Bezirksstelle Recklinghausen zurückzuführen. Die habe eigentlich die Situation vor Ort klären sollen.

„Was haben unsere Bürger mit der Situation in Ostwestfalen zu tun", fragte mehr als verärgert Brigitte Puschadel (SPD). In der Schließung der Notfallpraxis sieht sie eine Benachteiligung der Bürger in Gladbeck, die so nicht hinnehmbar sei. Auch Barbara Ringkowski und Barbara Enxing (beide CDU) äußerten sich empört. So könne man nicht mit Menschen umgehen. Vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, aber auch für Menschen mit Behinderungen und Eltern mit Kind seien die weiteren Wege zu den Praxen in Gelsenkirchen oder Bottrop nicht zumutbar.

Ulrich Heil bezeichnete die Reform als „von oben übergestülpt". Die Politik im Ausschuss beschloss, sich klar gegen die Reform-Pläne zu positionieren. In einem Brief an die Kassenärztliche Vereinigung und die Ärztekammer soll die Nachbesserung der Reform, sprich der Erhalt der Notfallpraxis in Gladbeck, werden. Auch Landrat Cay Süberkrüb soll ein solches Protest-Schreiben erhalten. Die Notfallpraxis in Gladbeck befinde sich auf dem neusten Stand. Es mache keinen Sinn, bewährte medizinische Strukturen aufzugeben.

Zudem hoffen die Ausschussmitglieder auch, dass sich möglichst viele Vereine und Institutionen dem geplanten Protest noch anschließen werden.

Quelle: WAZ 04.03.2010